01.11.17 - Jann Raveling

Mit oldntec sicher in den eigenen vier Wänden





	Oldntec: ambiact im Einsatz
ambiact im Einsatz: Am Wasserkocher angeschlossen, meldet das Gerät dessen tägliche Benutzung an die Hausnotrufzentrale (oldntec)

Die Idee ist einfach aber genial: Mithilfe der Benutzung von elektrischen Haushaltsgeräten erkennen, ob ein Mensch seinem Alltag nachgeht oder ein Notfall vorliegt. Das Oldenburger Startup oldntec hat sich dieses Prinzip zunutze gemacht. Um die Entwicklung zu finanzieren, unterstützt die BAB als Gesellschafterin das junge Unternehmen mit Eigenkapital aus Mitteln des EFREBeteiligungsfonds Bremen.

Er ist klein, weiß und ähnelt einer Zeitschaltuhr: ambiact nennt sich der intelligente Stromsensor, den die beiden Medizintechnik‐Experten Dr. Thomas Frenken und Ralf Eckert entwickelt haben. Die handliche Box wird zwischen Steckdose und Elektrogerät gesteckt und erkennt Ein‐ und Ausschaltvorgänge, die sie automatisch an eine Hausnotrufbox sendet. Hausnotrufdienste wissen so, dass eine Person ihrem Alltag nachgeht und kein Notfall vorliegt.

„ambiact ist aus einem akuten Problem entstanden“, erklärt Unternehmensgründer Thomas Frenken, „Hausnotrufsysteme arbeiten mit sogenannten Tagestasten. Diese ergänzen den Handgelenksender, weil diese gerne von älteren Personen vergessen werden. Im klassischen Hausnotruf muss der Patient einmal täglich diese Tagestaste drücken, um der Zentrale zu signalisieren, das alles in Ordnung ist. Das klappt häufig nicht“. Ob aus Vergesslichkeit oder aus Unwillen – immer wieder kommt es zu Fehlalarmen, weil Benutzer die Taste nicht rechtzeitig drücken. Häufig ist der Hausnotruf auch mit einem Stigma versehen: Wer ein solches Gerät benutzen muss, „fühle sich oft schon mit einem Bein im Grab“, so Frenken. Mit ambiact verschwinde die Meldepflicht und die Akzeptanz steige, ohne dass gleich von Überwachung die Rede sei.

Einzigartig auf dem Markt

Das kleine Gerät ist schon vielfach bei Anbietern von Hausnotrufdiensten im Einsatz. Jetzt wollen die zwei Oldenburger das System noch verfeinern. Ziel ist es, die Meldezeit zu verkürzen und erstmals pflegenden Angehörigen Hilferuftechnik anzubieten, die in dieser Form bisher professionellen Pflegediensten vorbehalten war. „Angesichts des Fachkräftemangels nimmt das informelle Pflegen – durch die Familie, Nachbarn oder Bekannte – einen immer höheren Stellenwert ein“, klärt Ralf Eckert auf. Die Box soll komfortabel per App steuerbar sein und es können mehrere Haushaltsgeräte vernetzt werden, so dass die individuellen Lebensgewohnheiten des Betreuten bei der Konfigurierung der Notrufauslösung berücksichtigt werden können. Für Pflegende kann der Hilferuf ganz komfortabel auf dem Smartphone jederzeit und überall angezeigt werden. Mit diesen Funktionen ist der ambiact einzigartig – es gibt keine vergleichbaren Produkte auf dem Markt.


	Oldntec: Frenken und Eckert
BAB Projektmanagerin Sylvia Neumann und die beiden Oldntec-Gründer Ralf Eckert und Thomas Frenken (BAB/Jann Raveling)

Risiken abfedern mit dem EFRE‐Beteiligungsfonds

In das neue System muss das 4,5‐Mann‐Unternehmen viel Entwicklungsarbeit stecken. Um den Forschungsaufwand finanziell stemmen zu können, haben sich die beiden Geschäftsführer für den EFRE‐Beteiligungsfonds der BAB entschieden. Zielgruppe dieses Fonds sind junge, innovative Unternehmen, an denen sich die BAB über ihr Tochterunternehmen die BAB Beteiligungs‐ und Managementgesellschaft Bremen mbH offen beteiligt: Finanzmittel gegen Firmenanteile. „Wir sind risikobereit, aber nicht zu jedem Preis“, erklären Frenken und Eckert ihre Entscheidung für eine Beteiligung und gegen einen klassischen Kredit. Banken wollten für Kredite sehr hohe Sicherheiten, die ein junges Unternehmen nicht immer bieten könne. In der Beteiligung der BAB sehen sie eine willkommene Alternative.

Wachsen nach der Seed‐Phase

„Mit dem EFRE‐Beteiligungsfonds unterstützen wir seit diesem Jahr kleine und junge Unternehmen bis zum fünften Jahr nach deren Gründung“, erläutert Sylvia Neumann, Projektmanagerin Wagniskapital von der BAB. „Das Angebot ergänzt das bisherige bremische Start‐up‐Ökosystem ideal und schließt an die Frühfinanzierung während der Seed‐  und Markteintrittshase an.“ Zwar gebe es für junge Gründer in der Hansestadt bereits viele Hilfen wenn sie in die eigene Existenz starten wollten, für solcherlei als risikoreich erachtete Investments sowie bei der Finanzierung der anschließenden Wachstumsphase sei das Angebot hingegen kleiner. Über den EFRE-Beteiligungsfonds können innovative Unternehmen Beträge von mehreren hunderttausend Euro finanzieren.

Verhandlungen im Vorfeld der EFRE‐Förderung

oldntec ist das erste Unternehmen im neu aufgelegten Fonds. „Wir haben viele Gestaltungsspielräume dank der offenen Beteiligungsform. Das macht diese Förderung attraktiv für Start‐ups wie oldntec“, schildert Neumann. Die genaue Ausgestaltung ist Verhandlungssache zwischen den Vertragspartnern. „Die BAB verhandelt hart, aber fair!“, gibt Gründer Frenken lachend zu, „insgesamt sind wir aber sehr zufrieden mit dem Ergebnis.“ Eine Einschätzung, die auch Neumann von der BAB teilt.

Rund‐um‐sorglos‐Paket für Gründer in Bremen 

Um von der Förderung profitieren zu können, zieht das Unternehmen jetzt von Niedersachsen ins bremische World Trade Center. „Wir haben Bremen als sehr engagiert und kooperativ bei der Ansiedlung von Unternehmen wahrgenommen“, erklärt Eckert, der sich im Team vor allem um die Technik‐ und Hardwareentwicklung kümmert. Vor der BAB‐Beteiligung hatte sich oldntec bereits um Business Angels und Wagniskapitalgeber bemüht, um die eigene Finanzierungsbasis sicherzustellen. „Wir trafen dort auf wenig Risikobereitschaft – Bremen hatte das beste Gesamtpaket zu bieten“, freut sich auch Frenken über den neuen Standort. Der 35‐jährige übernimmt die Software‐Programmierung und das Kaufmännische bei oldntec.

Frühzeitig um Finanzquellen bemühen

„Wir haben uns 2014 bei einer Veranstaltung kennengelernt“, erinnert sich Neumann von der BAB. „So richtig los ging es dann aber erst Ende 2016 mit einem Anruf von oldntec, bevor wir 2017 die Verträge unter Dach und Fach bringen konnten.“ Die Vertragsverhandlungen dauerten sechs Monate. Zeit, die junge Unternehmen unbedingt einplanen müssen, wie ambiact‐Erfinder Frenken mit auf den Weg gibt: „Start‐ups empfehle ich, bereits frühzeitig mit der Suche nach  Finanzquellen anzufangen, nicht erst dann, wenn das Geld zuneige geht. Unterhaltet euch mit möglichst vielen Personen und schaut genau hin, wer bei euch zu welchen Konditionen einsteigt!“

Das neue ambiact‐System soll bereits Mitte 2018 auf den Markt kommen. Mehr zu oldntec und ambiact gibt es auf der Internetseite: www.oldntec.eu

Wie innovative Unternehmen über den EFRE‐Beteiligungsfonds gefördert werden können, lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Wagniskapital bei der BAB erfahren Sie bei Sylvia Neumann sylvia.neumann@bab-bremen.de, oder 0421 9600 460

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