18.5.2026 - ctrl.

Vielfalt im Pflegealltag: Wie vacances Diversität gestaltet

Wirtschaftsförderung

Wie ein Bremer Pflegedienst Vielfalt im Alltag verankert

Vielfalt prägt den Arbeitsalltag bei vacances – im Team ebenso wie im Kontakt mit Kund:innen. Mit Unterstützung der Förderung „Diversity in KMU“ entwickelt das Unternehmen Strukturen, um den Umgang damit gezielt zu stärken.

Vielfalt ist Alltag und braucht Orientierung 

Was tun, wenn im Pflegealltag Aussagen fallen wie „Ich hätte lieber eine Frau“ oder „Bitte jemand, der Deutsch spricht“? Solche Situationen gehören in der Pflege häufig zum Arbeitsalltag dazu und machen deutlich, wie sich Vielfalt bereits im direkten Kontakt zwischen Mitarbeiter:innen und Kund:innen zeigen kann.

„Vielfalt sind wir“, sagt Projektleiterin Dana Reck von vacances und beschreibt damit den Kern der täglichen Arbeit.

Vacances ist ein mobiler Sozial- und Pflegedienst in Bremen. Rund 300 Mitarbeiter:innen versorgen täglich zwischen 1.500 und 2.000 Menschen in der ambulanten Pflege, der Hauswirtschaft und in drei Tagespflegen. Ziel ist es, Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in ihrer eigenen häuslichen Umgebung zu ermöglichen.

Diese Arbeit ist geprägt von Vielfalt. Unterschiedliche Biografien, Lebensrealitäten und Bedürfnisse treffen jeden Tag aufeinander, sowohl im Team als auch im Kontakt mit Kund:innen.

Gleichzeitig zeigt die Erfahrung: Vielfalt bringt nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen mit sich. 

In den vergangenen Jahren haben sich unterschiedlichste Rückmeldungen aus dem Team gehäuft. Mitarbeiter:innen berichten von Situationen, die sie als schwierig empfinden, sowohl im Kontakt mit Kund:innen als auch innerhalb des Teams.

Dabei geht es längst nicht nur um Herkunft oder Sprache, sondern um weitere Dimensionen von Vielfalt, etwa:

  • Alter
  • Familienstand
  • persönliche Lebensentwürfe
  • Körperbau

Für vacances war klar: Eine offene Haltung allein reicht nicht aus. Mitarbeiter:innen brauchen Orientierung im Umgang mit solchen Situationen und die Sicherheit, dass sie damit nicht allein sind.

Unterstützung durch „Diversity in KMU“ 

Die Auseinandersetzung mit diesen Themen mündete in einer Teilnahme an der Fördermaßnahme „Diversity in KMU“. Die von der BAB, der Förderbank für Bremen und Bremerhaven umgesetzte Förderung unterstützt kleine und mittelgroße Unternehmen dabei, Vielfalt systematisch zu verankern. Sie wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation kofinanziert.

Ziel von vacances war es, externe Perspektiven einzubinden und das Thema im Unternehmen zu verankern. „Wir wollten uns nicht mehr allein mit den Themen beschäftigen, sondern gezielt Unterstützung von außen holen“, erklärt Dana Reck. Die Förderung ermöglichte die Zusammenarbeit mit externen Expert:innen und schuf Zeit für Analyse und Entwicklung – Ressourcen, die im Arbeitsalltag oft fehlen.

Ein zentraler Schritt war eine Bestandsaufnahme: Wo entstehen Spannungen? Welche Themen sind relevant? Wo besteht Handlungsbedarf? Dafür bildete vacances einen Steuerkreis mit Mitarbeiter:innen aus Pflege, Hauswirtschaft und Verwaltung. So prägen unterschiedliche Perspektiven die Unternehmensentwicklung direkt mit.

Das Projekt verbindet zwei Ansätze: Sensibilisierung und strukturelle Verankerung.

Zu Beginn schulte das Unternehmen Führungskräfte und bildete Multiplikator:innen aus. Sie fungieren als Bindeglied zwischen Projekt und Team und sorgen dafür, dass das Thema Umgang mit Vielfalt präsent bleibt.

„Wissen ist wichtig, aber entscheidend ist, wie wir im Alltag handeln“, sagt Dana Reck. Genau hier setzt die zweite Ebene an: feste Ansprechpartner:innen, verbindliche Leitlinien sowie neue Wege für Feedback und Austausch. So wird Vielfalt nicht nur thematisiert, sondern strukturell verankert.

„Uns war wichtig, dass sich unsere Mitarbeiter:innen sicher fühlen und wissen, an wen sie sich wenden können“, ergänzt sie.

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Konkrete Unterstützung im Alltag 

Zu den ersten Maßnahmen der Förderung gehören Feedback-Briefkästen mit dem Titel „Das war zu viel“. Mitarbeiter:innen können hier Situationen melden, die sie als belastend oder grenzüberschreitend erlebt haben – anonym oder mit Namen.

Das Angebot ist bewusst niedrigschwellig gestaltet, um auch Themen sichtbar zu machen, die im Alltag oft unausgesprochen bleiben. Gleichzeitig endet der Prozess nicht beim Einwurf. Hinter dem Angebot steht eine feste Struktur mit klar benannten Ansprechpartner:innen, die die Rückmeldungen aufnehmen und weiterbearbeiten. So wird sichergestellt, dass Hinweise nicht ins Leere laufen, sondern aktiv aufgegriffen werden.  „Uns war wichtig, dass niemand mit solchen Erfahrungen allein bleibt“, betont Dana Reck.

Neben Feedbackmöglichkeiten setzt vacances auf praktische Unterstützung für konkrete Situationen. 

Eine gemeinsam mit der GEWOBA AG und der BREBAU GmbH entwickelte Toolbox greift typische Alltagssituationen auf, die Mitarbeiter:innen zuvor selbst gesammelt haben. Dazu gehören etwa kritische Kommentare, persönliche Grenzüberschreitungen oder konflikthafte Gespräche. Zu jeder Situation bietet die Toolbox konkrete Vorschläge, wie Mitarbeiter:innen reagieren können, immer mit dem Fokus auf Deeskalation und Selbstfürsorge.

„In der Situation selbst fällt es oft schwer, die richtigen Worte zu finden“, erklärt Dana Reck. „Die Karten geben Orientierung und helfen, sicherer zu reagieren.“

Erste Veränderungen werden sichtbar 

Das Projekt läuft seit November 2025 und ist auf ein Jahr angelegt. Bereits jetzt zeigen sich erste Veränderungen im Unternehmen.

„Es passiert etwas in den Köpfen“, sagt Dana Reck. Mitarbeiter:innen achten stärker auf ihr Umfeld und sprechen Situationen häufiger an. Themen rund um Vielfalt und respektvollen Umgang werden präsenter, sowohl im Team als auch auf der Führungsebene.

Wie wichtig dieser bewusste Umgang ist, zeigt sich auch im Arbeitsalltag der Tagespflege. Pflegedienstleitung Carola Poloczeck berichtet von einem neuen Gast, der zunächst kritisch wahrgenommen wurde. „Man darf nicht nur das Äußere sehen, man muss den Menschen ankommen lassen“, sagt sie. Inzwischen ist er Teil der Gemeinschaft. Ein Beispiel dafür, wie sich Perspektiven verändern können, wenn Offenheit im Alltag gelebt wird.

Fazit: Vielfalt als kontinuierlicher Prozess 

Für vacances steht fest: Vielfalt ist kein Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Es geht nicht darum, schwierige Situationen vollständig zu vermeiden, sondern darum, einen guten Umgang damit zu finden und Mitarbeiter:innen dabei zu unterstützen.

Die Förderung „Diversity in KMU“ bietet dafür den passenden Rahmen. Sie schafft Raum, um sich strukturiert mit dem Thema auseinanderzusetzen und konkrete Maßnahmen zu entwickeln.

„Man bekommt die Möglichkeit, Dinge wirklich anzugehen und nicht nur darüber zu sprechen“, sagt Dana Reck. 

Für das Unternehmen ist das ein wichtiger Schritt, um Zusammenarbeit langfristig zu stärken und ein sicheres Arbeitsumfeld für alle zu schaffen.

Haben Sie Interesse an einer Förderung von Vielfältigkeit in Ihrem Unternehmen? Dann melden Sie sich für die Förderung Diversity in KMU bei Fabian Taute: fabian.taute@bab-bremen.de.

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