08.05.18 - Jann Raveling

Die jungen Wilden von der Weser




Wie Bremerhavens Yachtbauer Bente eine ganze Branche auf den Kopf stellt



	Der erste Coup aus dem Hause Bente: Die Bente24
Der erste Coup aus dem Hause Bente: Die Bente24
BENTE

Mit Segelklischees räumt Bente mächtig auf. Das Yachtdesign des jungen Bremer Unternehmens hat international für viel Aufmerksamkeit und binnen kürzester für einen großen Markterfolg gesorgt. Jetzt wollen sie beweisen, dass sie keine Eintagsfliegen sind.
„Sexy, modern, simpel und nicht zuletzt günstig … ein rasantes Boot zum Heizen“, so titelt die renommierte Zeitschrift „Yacht“ in ihrem Test-Video – und das trifft es ganz gut. Bente bringt frischen Wind, kreative Ansätze und unkonventionelle Ideen in die Branche.

Zum drittgrößten deutschen Hersteller aufgestiegen

Unkonventionell ist ein gutes Stichwort, um den ersten Wurf aus dem Hause Bente zu bezeichnen: die Bente24. Das Sieben-Meter-fünfzig-Boot sorgte für große Aufmerksamkeit auf dem Yachtmarkt. Die Bremerhavener verbanden Rennyachten-Look und modernste Technik mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. „Das hat den Nerv des Markts getroffen. Wir haben das Boot so entwickelt, wie wir uns schon immer ein Boot gewünscht haben – offensichtlich geht es vielen anderen auch so“, ist Vrolijk stolz. In drei Jahren haben sie in Europa knapp 100 Boote verkauft, in einem Markt, der auf 150 Yachten jährlich in Deutschland geschätzt wird.

Kein Blatt vor dem Mund

Die Bremerhavener trauen sich etwas, vor allem im Marketing. „Wir setzen ganz auf Emotionalität, denn das Segeln haben auch wir nicht neu erfunden. Wir betreiben aggressives Marketing abseits der etablierten Kanäle“, sagt Mitgründer Paul Schirmer, der für Strategie und Finanzen zuständig ist.  Auf Facebook und Youtube suchen sie Kontakt zu Kunden, waren in der wichtigsten deutschen Segelzeitschrift „Yacht“ schon lange, bevor es den ersten Prototypen gab. „Wir machen Trends anstatt ihnen nachzulaufen. Dank unserer schlanken Struktur und unseres jungen Team sind wir schneller und günstiger als etablierte Großwerften“, ist Schirmer überzeugt.


	Das Team mit den Gründern Paul Schirmer (1. v. r.) und Alexander Vrolijk (3. v. r.)
Das Team mit den Gründern Paul Schirmer (1. v. r.) und Alexander Vrolijk (3. v. r.)
BENTE

Auf Messen treten sie bewusst locker auf. Weder Hostessen noch edle Tresen, eine Biertheke reicht. „Wir tragen dann T-Shirt und Sneaker, keine teuren Anzüge. Viele Besucher erkennen uns gar nicht als Standbesitzer. Und genau das ist unser Ziel – denn so kommen wir viel einfacher ins Gespräch“, erklärt Vrolijk. „Wir möchten, dass ein Hafengefühl aufkommt. Segeln ist ein Hobby, Seglerinnen und Segler sind lockere Menschen, die sich gern duzen. Warum sollen wir das auf einer Messe plötzlich ändern?“

Wohlfühlen an Bord

Mit diesem Kalkül sei auch die Bente24 entstanden. „Auf der Messe sind auch die nicht-segelaffinen Frauen der Schiffseigner dabei. Sie achten auf ganz andere Dinge als Carbon-Masten oder schnittige Rümpfe: Gibt es eine Toilette? Wie kann ich auf dem Schiff leben? Unsere Boote sollen auch den am Segeln weniger interessierten Partnern der Schiffskäufer gefallen, da sie häufig einen großen Einfluss auf die Kaufentscheidung haben“, so Vrolijk. Auf diese Weise sei auch der Name „Bente“ entstanden: So hieß die Ehepartnerin des Co-Designers. „Wenn wir Bente für das Schiff begeistern, haben wir immer gesagt, dann schaffen wir es“, ergänzt Vrolijk grinsend.

Ein Name, der verpflichtet

Der 33-jährige polarisiert gern. Ein Mechanismus, mit dem er auffallen möchte – denn sein Vater ist Rolf Vrolijk, der mit dem Judel/Vrolijk & Co in Bremerhaven eines der berühmtesten Konstruktionsbüros betreibt und schon unzählige prämierte Rennboote entwarf. „Für mich war klar: Ich will nicht in die riesigen Fußstapfen meines Vaters treten müssen, ich will eigene Akzente setzen. So kann ich die Tradition aufrechterhalten und gleichzeitig mich selbst ausleben“, so der Yachtdesigner.

Ein Weg, der anfangs hart war. „Die ersten 18 Monate haben mein Mitgründer Paul Schirmer und ich uns kein Gehalt ausgezahlt. Wir arbeiten 12 Stunden am Tag, reisen viel. Da leiden die sozialen Kontakte, das belastet uns. Für mich ist aber klar: Ich will die nächsten 30 Jahre Bentes bauen“, so Vrolijk. Der talentierte Yachtbauer kommt mit seiner direkten Art bei seinen Kunden gut an, findet so schnell eine gemeinsame Sprache. Wichtig in einer Branche, die von persönlichen Kontakten geprägt ist. So verkaufen sie Boote, schon bevor der erste Prototyp zu Wasser gelassen wurde – rein über das Papier. Ein besserer Vertrauensbeweis lässt sich kaum finden.

Mittlerweile ist das Team auf fünf Mitarbeiter gewachsen. Die Boote selbst werden auf einer polnischen Werft gefertigt, in Bremerhaven finden Design, Marketing, Vertrieb und die Kundenbetreuung statt. In Zukunft können sich die Jungs von der Waterkant aber auch vorstellen, an der Weser neue „Bentes“ zu bauen.


	Künstlerische Ansicht des Bente39-Prototyps, frisch aus der Verschalung
Künstlerische Ansicht des Bente39-Prototyps, frisch aus der Verschalung
BENTE

Bente39: Die Weltmeere klopfen an

Vielleicht schon mit der „Bente39“, dem neuen Wurf des Büros. Mit knapp 12 Metern deutlich länger, zielt das Boot auf Familien und ambitionierte Segler, welche auf den Weltmeeren zuhause sind. Auch die „39“ wird den Markt aufmischen, denn Vrolijk und sein Team haben sich wieder einiges einfallen lassen. „Das Schiff wird innen sehr hell und offen sein, es wird Carbonfaser verbaut und Eigner können das Boot individualisieren“, so Vrolijk.

Drei Monate lang verbarrikadierte sich der umtriebige Gründer auf einer Nordseeinsel, um die Grundzüge des Boots zu entwerfen. „Mich plagte damals eine Sinnkrise: Was wollte ich nach der Bente24 machen? Soll ich mir das ganze nochmal antun? Aber mir wurde klar, dass das mein Leben ist – und dass die Kunden meine Vision, meine Leidenschaft teilen. Die Bente39 ist mein Traumschiff, so wie ich es immer wollte“, schwärmt Vrolijk. Ohne Sinnkrise, dafür mit mehr Tatendrang ist das Team gerade in den Endzügen, im Frühsommer 2018 soll der Prototyp schwimmen und auf seine erste Europatour gehen. Direkt zu den Kunden vor Ort, Hands-on-ship-Mentalität. Die ersten drei Boote sind schon verkauft.

EFRE-Beteiligungsfonds Bremen stellt Finanzierung sicher

Einen großen Anteil am Erfolg haben auch die BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH sowie die BAB - Die Förderbank für Bremen und Bremerhaven. Über den EFRE-Beteiligungsfonds Bremen hat ihre Tochtergesellschaft die BAB Beteiligungs- und Managementgesellschaft Bremen mbH Anteile am jungen Unternehmen erworben und sie im Gegenzug dafür mit Finanzmitteln ausgestattet. „Bente hat sich eine herausragende Position auf dem Markt erarbeitet, die Branche aufgemischt. Mit unserem Engagement wollen wir die innovative Konzeptwerft darin unterstützen, die Bente39 auf den Weg zu bringen. Über den Fonds können wir die Liquidität sicherstellen“, so Eberhard Altstädt von der BAB. Mit dem Beteiligungsfonds können kleine, junge und innovative Unternehmen in Bremen und Bremerhaven bis zum fünften Jahr nach deren Gründung unterstützt werden.

„Mich hat die Zusammenarbeit mit der BAB und der Bremerhavener BIS sehr beeindruckt“, resümiert Vrolijk die Partnerschaft mit der Bank und den Wirtschaftsförderern. „Wir haben gleich Tacheles gesprochen, sind in die Vollen gegangen. Das Team der BAB hat von Anfang an unternehmerisch gedacht. Neben Geld gab es auch jede Menge Tipps, Coaching und Kontakte. Die BAB ist der beste Partner, den wir uns vorstellen können, sie sind wie ein Mentor für uns.“

Es ist nicht das erste Aufeinandertreffen von der Bank und Bente. Nach Durchführung eines Forschungs- und Entwicklungsprojekts wurde der erste Bootstyp, die Bente24, von dem Bootsbauer Friedrich Deimann als Prototyp aus umweltverträglichen Materialen als „Green Bente“ gefertigt. Hierfür erhielt er den Bremer Umweltpreis 2017.

Neue Ideen und darauf aufbauend  Forschungs- und Entwicklungsprojekte sind die Basis für positive Unternehmensentwicklungen. „Eine Förderung von BAB und BIS ermöglicht Unternehmen, neue Technologien zu entwickeln und Innovationen umzusetzen“, so Ansgar Wilhelm, Leiter Firmen- und Geschäftskunden. Auch für Wilhelm ist die Partnerschaft zwischen Bente und BAB eine echte Bremer Erfolgsstory - die noch einige Jahre und einige Schiffe währen soll. Denn die nächsten Pläne geistern schon im ruhelosen Kopf von Vrolijk und seinem Team.




Wie innovative Unternehmen über den EFRE‐Beteiligungsfonds Bremen gefördert werden können, lesen Sie hier.
Mehr zum Thema Wagniskapital bei der BAB erfahren Sie bei Eberhard Altstädt, eberhard. altstaedt@bab-bremen.de, oder 0421 9600 428

Fortschritt fördern, Innovatives umsetzen – das ist mit dem FEI-Programm möglich. Weitere Informationen und Ansprechpartner erhalten Sie hier.

Mit dem Bremer Umweltpreis nachhaltig fördern - hier erfahren Sie mehr!

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