09.08.18 - Corinna Laubach

Ein Dorf mitten in der Stadt



Prämierte Sanierung der Stäwog in Bremerhaven schafft neue Wohnwege und eine starke Hausgemeinschaft



	CMC: Stäwog Teaser
Das renovierte Gebäude mit verglasten Laubengängen
© Perlbach

Im Bremerhavener Quartier Klushof war es eine einfache Wohnanlage aus den 50er Jahren, wie sie in vielen Städten zu finden ist. Schnell hochgezogene, schlichte Bauten ohne Charme. Weder Bausubstanz, noch Grundrisse der bald 70 Jahre alten Nachkriegswohnanlagen genügten heutigen Wohn- oder Energieansprüchen. Eigentlich droht diesen in die Jahre gekommenen Mehrfamilienhäusern heutzutage in der Regel der Abriss, in der Seestadt heimsten die zwei Riegelbauten mit 54 Wohnungen An der Paulskirche 3-5 /Neuelandstraße 76-84 vor kurzem hingegen nach einer beeindruckenden Sanierung den renommierten Deutschen Bauherrenpreis und darüber hinaus auch den Bremer Wohnbaupreis ein.

Die Städtische Wohnungsgesellschaft Bremerhaven (Stäwog) modernisierte die l-förmige Wohnanlage barrierefrei, altersgerecht wie energieeffizient und entschied sich damit, die Heimat der Bewohner zu erhalten und zeitgemäß auszubauen. Und nicht nur das. Durch die Neuanordnung von Eingängen, das Schaffen eines Innenhofes und Laubengängen ist ein neues Miteinander entstanden. Mitten in der Stadt haben die Bewohner ihr kleines Dorf erhalten, bei dem der Plausch zwischen Tür und Angel gewollt ist. Sieben Treppenhäuser wurden dafür durch ein modernes, gläsernes und leicht zugängliches Laubengangsystem ersetzt. Zudem wurden Grundrisse teils zusammengelegt und den Bedürfnissen der vielfach älter werdenden Mieter angepasst. Aber auch die nächste Generation genießt den neuen Komfort. Auch Familien mit Kindern sind nach der Sanierung eingezogen.


Alt und Neu verbinden und einen einprägsamen, unverwechselbaren Ort von hoher Aufenthalts- und Wohnqualität zu schaffen, das waren die Wünsche von Architekt Hans-Joachim Ewert. Absoluter Hingucker sind die neuen gläsernen Laubengänge der beiden Wohnblöcke. Eine Idee, die er sich aus Frankreich abgeschaut hat. Bereits im frühen sozialen Wohnungsbau der Familistère im nordfranzösischen Guise entstanden dort Mitte des 19. Jahrhunderts Häuser mit Laubengängen um die Höfe. Ein Vorbild, an dem sich der Stäwog-Architekt orientierte.

Vor der eigenen Haustür geht jetzt das Zuhause weiter. „Wohnwege“ verbinden Nachbarn und erschließen die Zugänge zu den jetzt zwei Aufzügen in der Anlage. Es ist ein neuer, einladender Raum über vier Etagen entstanden – von den Mietern mit Blumen, Tischen und Stühlen liebevoll dekoriert. Laut Jury des Bauherrenpreis wirkt der Laubengang „wie ein Filter von öffentlichen und halböffentlichen Bereichen und fördert die Kommunikation der Bewohner“. Und genau das war das Ziel.


	CMC: Stäwog vorher
Das Gebäude vor der Sanierung
© Stäwog


	CMC: Stäwog nachher
Das Gebäude nach der Sanierung
© Perlbach

Modern und effizient


Die neue Architektur beeindruckt mit der haushohen Glasfront zum Hof und mit Stützpfeilern aus Beton. Die Wohnanlage ist optisch kaum wieder zu erkennen. Modern wirken die Baustoffe Glas, Metall und Beton, vor zu viel Strenge schützen die Farben der Querstreben in Orange und Pink, Hellblau und Gelb. Dass die Stäwog die Häuser für ihre Mieter und deren Bedürfnisse modernisierte, zeigen die zahlreichen Neuerungen. Es gibt jetzt Balkone und Wintergärten, Mietergärten im Erdgeschoss und Beete im Innenhof, ein Gemeinschaftshaus zum Beisammensein. Auch änderten die Planer Grundrisse und Wände verschwanden. Die meisten Mieter haben nun Licht vom Innenhof bis zur Südseite in ihren Wohnungen. Zudem sind die Wohnungen barrierefrei – und das auch beim Übergang von den alten Treppenhäusern zu den neuen Wohnwegen.
    
Neben der ansprechenden Optik ist der Umbau vor allem auch ein Vorbild für Energie- und Kosteneffizienz. Die Wärmedämmung, effiziente Haustechnik und die neue Heizanlage senken den Energieverbrauch der Wohnanlage auf weniger als ein Viertel des ursprünglichen Wertes. Das Dach wurde neu gedeckt und mit Solarzellen versehen, die Fassaden erhielten eine Wärmedämmung und neuen Putz. Besonderheit ist das sogenannte Energieschaufenster. Hinter einer Glasscheibe zeigt die Stäwog den Mietern die aktuellen Werte der Heiz- und Energiezentrale der Wohnanlage.

Preisverdächtig


„Die Betriebskosten können durch ein Blockheizkraftwerk und Photovoltaikanlagen moderat gehalten werden. Durch die Erneuerung des Bestandes statt Abriss und Ersatzbau bleibt die Identität des Quartiers für die Mieter weitgehend erhalten“, lobte die Jury des Deutschen Bauherrenpreises.

» Wir freuen uns sehr, dass wir den Deutschen Bauherrenpreis erstmals nach Bremerhaven holen konnten.«
Sieghard Lückehe, Geschäftsführer der Stäwog

Die Modernisierung des viergeschossigen Baus sei ein wertvoller Beitrag zur Aufwertung der Bremerhavener Innenstadt. Mit der erfolgreichen Sanierung ging der renommierte Preis erstmals in seiner Historie seit 1986 in die Seestadt. Die Stäwog hat mit der Modernisierung der Wohnanlage in der Kategorie „Revitalisierung von Wohnsiedlungen“ überzeugt. Nicht nur Stäwog-Geschäftsführer Sieghard Lückehe ist stolz auf die Auszeichnung, sondern auch die Mieter. Die Preisverleihung in Berlin feierten sie mit einem kleinen Fest - ganz so wie es sein soll. Ein Bau, der den Zusammenhalt und die Nachbarschaft stärkt. Nicht umsonst hat die Wohnungsgesellschaft ihren Preisbeitrag „Living Streets“ übertitelt. Wenige Monate später folgte mit dem „Bremer Wohnbaupreis 2018“ für die Quartiersanierung Klushof die zweite Auszeichnung. Der Landespreis unter dem Leitspruch „Qualität sichern, Vielfalt fördern, Gemeinschaft ermöglichen“ wurde zum vierten Mal vom Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Bremen in Kooperation mit der Architektenkammer Bremen verliehen.


	CMC: Stäwog Balkone
Die neue Fassade mit neuen Balkonen
© Perlbach

Förderlotse berät


Die Stäwog nutzte für die Sanierung in Bremerhaven neben Mitteln aus dem Stadtumbau-West-Programm ein Modernisierungsdarlehen der BAB. Die Förderbank bietet rund um das Thema Wohnen und Bauen zahlreiche Fördermöglichkeiten – von Modernisierungsmaßnahmen wie in dem Bremerhavener Beispiel über altersgerechten Umbau oder Energieeffizienzmaßnahmen bis zum kompletten Bauprojekt. Und das für private Bauherren, Hausbesitzer, Eigentümer(gemeinschaften) oder öffentliche Wohnungsbaugesellschaften. Welche Angebote die passenden sein können, vermittelt auch der Förderlotse in einem persönlichen Gespräch. BAB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter navigieren hier zielsicher und kostenlos die Kundinnen und Kunden durch das gesamte für Wohnraum nutzbare Förderangebot, Bundes- wie Landesprogramme und stellen unverbindlich eine Übersicht zusammen. Der Förderlotse bietet wöchentlich eine Sprechstunde beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr im Siemens-Hochhaus unweit des Bremer Hauptbahnhofs an. Hier geht’s zum Förderlotsen.




Für weitere Informationen zum Thema Wohnraumförderung kontaktieren Sie bitte Franz-Josef Meyer, Teamleiter für Wohnraumförderung/Durchleitungskredite bei der BAB, Tel. 0421 9600-448, franz-josef.meyer@bab-bremen.de.

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