26.1.2024 - Insa Lohmann / Diana Bluhm

Hauttherapie für die eigenen vier Wände

Wirtschaftsförderung

Bremer Gründende haben eine Software zur Behandlung von Hautkrankheiten für Zuhause entwickelt

Jan Elsner auf der Bühne
Hat gemeinsam mit seinem Team einen Therapiemanager für Menschen mit chronischen Hauterkrankungen entwickelt: Skinuvita-Gründer Jan Elsner. © Life Science Factory

Dass Jan Elsner mal sein eigener Chef wird, zeichnete sich schon früh ab: Sein BWL-Studium an der Universität Bremen finanzierte der gebürtige Niedersachse mit Veranstaltungen und Auftritten als DJ. Mit dem ersten eigenen verdienten Geld kaufte er sich vernünftiges Equipment, stellte sich professioneller auf und die Nachfrage nach seinen Aufträgen stieg.

Einige Jahre später hat sich der heute 31-Jährige schließlich Vollzeit dem Thema Innovationen in der Musik- und Veranstaltungsbranche gewidmet – auch seine Dissertation sollte davon handeln. „Dann kam die Pandemie dazwischen und alle Veranstaltungen und Festivals wurden abgesagt“, erinnert sich Jan Elsner. Rückblickend bezeichnet er es fast als Glücksgriff, denn sonst wäre sein heutiges Bremer Startup Skinuvita vielleicht gar nicht entstanden.

„Das war der Startschuss für Skinuvita“

Abwarten und Däumchen drehen kamen für den Jungunternehmer trotz Pandemie allerdings nicht in Frage. In Jan Elsners Alltag gab es noch ein anderes Thema, das ihn beschäftigte und wieder in den Fokus trat: Der Wahl-Bremer leidet seit seiner Kindheit an Schuppenflechte – und ist damit nicht alleine: „Jede zehnte Person leidet oder litt unter einer chronischen Hauterkrankung“, sagt der Jungunternehmer. Zwar gibt es seit etwa 30 Jahren mit der Phototherapie eine verträgliche und kosteneffektive Behandlungsmethode für Hautprobleme wie Schuppenflechte, Neurodermitis oder Vitiligo – doch für eine erfolgreiche Behandlung sind bis zu 35 Sitzungen innerhalb kurzer Zeit in einer Arztpraxis erforderlich. Berufstätige, Alleinerziehende oder Menschen aus ländlichen Regionen können diese Sitzungen zeitlich oftmals nicht bewerkstelligen, weiß der Bremer Gründer aus eigener Erfahrung. Das brachte ihn auf eine Idee: Könnte man nicht die Vorteile der Phototherapie in die eigenen vier Wände verlagern? Der 31-Jährige tat sich kurzerhand mit Kolleginnen und Kollegen der Uni Bremen – unter anderen aus dem LEMEX (Lehrstuhl für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship) – zusammen, die er bereits aus seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter dort kannte und nutzte die Zeit der Pandemie für einen gemeinsamen Antrag über die Gründungsunterstützung der Universität Bremen, BRIDGE - Gründen aus Bremer Hochschulen beim Förderprogramm EXIST. Mit Erfolg, denn dieser wurde genehmigt: „Das war der Startschuss für Skinuvita“, berichtet Jan Elsner.

Das Team von Skinuvita
Das Gründungsteam von Skinuvita hat ein tele-medizinisches Softwaresystem entwickelt, mit dem Betroffene eine begleitete Phototherapie durchführen können. © Skinuvita

Mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung

Die Idee der Gründenden: ein tele-medizinisches Softwaresystem, das Betroffenen eine begleitete Phototherapie von zuhause aus ermöglicht – und gleichzeitig den Verordnungsanforderungen entspricht. Helfen soll dabei ein Therapiemanager zum Erstellen, Monitoren und Anpassen der Therapiepläne, eine Therapie-App für die Betroffenen sowie ein Bluetooth-Steuermodul, mit dem die entsprechende Dosis automatisch an das Therapiegerät übertragen wird. Über die App können die Betroffenen ein Feedback zur Therapie geben, damit die behandelnden Ärztinnen und Ärzte entsprechend die Dosis anpassen können – ein Alleinstellungsmerkmal ihrer Entwicklung. Bislang waren Aspekte wie Sicherheit und Betreuung für eine Therapie zuhause nicht gesichert gewesen. Doch mit dieser neuen Methode kann die Phototherapie nun auch sicher zu Hause durchgeführt werden, ist Jan Elsner überzeugt. Ziel sei, dass Skinuvita zu mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung bei Menschen mit chronischen Hauterkrankungen führe.

„Eine Phototherapie, die man von zuhause aus machen kann, hat einen echten Mehrwert für die betroffenen Menschen“, sagt der Skinuvita-Gründer. Die Idee kam gut an: „Nach dem Förderantrag ging es richtig los“, berichtet er Denn es gab nicht nur Unterstützung durch das Förderprogramm EXIST, sondern auch aus der Medizinbranche: „Eigentlich hatten wir noch gar nicht viel, aber wir haben einen Pitch vor dem Berufsverband der deutschen Dermatologen hingelegt – und es geschafft, den Hauptpreis zu gewinnen.“ Im Herbst 2021 belegten die Skinuvita-Gründenden außerdem den ersten Platz in der Kategorie Geschäftskonzepte beim Ideenwettbewerb Campusideen von BRIDGE - Gründen aus Bremer Hochschulen, ein Zusammenschluss der Universität Bremen, der Hochschule Bremen, der Hochschule Bremerhaven, der Constructor University, der Hochschule für Künste Bremen sowie der BAB – Die Förderbank.

Jan Elsner, Janina Clasen und Dr. Jens Pelzetter mit Pokalen
Jan Elsner, Janina Clasen und Dr. Jens Pelzetter von Skinuvita beim Ideenwettbewerb Campusideen, wo sie den ersten Platz in der Kategorie Geschäftskonzepte belegten. © Frank Pusch/BRIDGE

Skinuvita profitiert vom Starthaus-Netzwerk

Inzwischen ist aus der Idee von Skinuvita ein richtiges Unternehmen mit acht Mitarbeitenden geworden. Nach der ursprünglichen Gründung 2021 in Berlin, rückte Bremen als Geburtsstätte der Idee zunehmend in den Fokus. Ende letzten Jahres fiel dann die Entscheidung, sich als Unternehmen fest in der Hansestadt in einer Startup-Bürogemeinschaft am Altenwall niederzulassen: „Hier in der Region gibt es eine tolle Startup-Szene“, sagt er. Auch von den Startup-Events, die das Starthaus Bremen & Bremerhaven, einem Segment der BAB, für Gründerinnen und Gründer veranstaltet, ist der 31-Jährige begeistert: „Die finde ich richtig klasse!“

Auch bei der Vermittlung von Netzwerkpartnerinnen und -partnern konnten die Gründer:innen von Skinuvita auf das Starthaus setzen: Denn so kam das Startup mit dem Bremer Unternehmer Andreas Grund in Kontakt, der so überzeugt von der Idee des digitalen Heimtherapiesystems war, dass er gemeinsam mit seinen Co-Unternehmern eine Million Euro in das Unternehmen investierte. „Wir sind sehr dankbar für diesen Kontakt“, sagt Jan Elsner. „Die Qualität der gegenseitigen Vernetzung in der Bremer Start-up Szene ist etwas Besonderes.“ Auch finanzielle Unterstützung ist für den Jungunternehmer aus der Hansestadt essenziell: „Medizinische Zulassungen sind sehr teuer“, weiß Elsner, der bereits 85.000 Euro eigene Gelder in Skinuvita investiert hat. Durch die FEI-Förderung (Forschung, Entwicklung und Innovation) der BAB wird es Anfang 2024 zusätzlich Mittel geben, um die Forschung und Entwicklung von Skinuvita zu unterstützen.

Skinuvita App
Über die App bekommen Patientinnen und Patienten genaue Anweisungen zur Nutzung der Heimtherapie. © Skinuvita

Im Dezember 2023 ist dann auch die BAB mit einer offenen Beteiligung in das Unternehmen mit eingestiegen. Parallel investierten Privatinvestor:innen wie der Bremer Unternehmer Stefan Bellinger sowie der High-Tech Gründerfonds in Skinuvita.

Mit den zusätzlichen Mitteln will das Startup nun die Zulassung als Medizinprodukt finanzieren. „Der nächste Schritt hierfür ist der Abschluss einer klinischen Studie, welche aktuell an der Fachklinik Bad Bentheim, der Uniklinik Hamburg Eppendorf und dem Uniklinikum Regensburg durchgeführt wird“, erzählt der Unternehmer. „In den nächsten Wochen werden wir noch bis zu 15 weitere Betroffene in der Studie einschließen können, danach folgt die Auswertung. Und dann hoffen wir, dass wir schon bald allen Betroffenen ihre Phototherapie in den eigenen vier Wänden ermöglichen können“, sagt Jan Elsner.

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