1.6.2022 - Jann Raveling

Volle Kante fürs Blech

Wirtschaftsförderung

Fritz Puls GmbH stellt sich mit neuer Maschine für die Zukunft auf

Geschäftsführer Sven Puls - in vierter Generation
Geschäftsführer Sven Puls - in vierter Generation © Fritz Puls GmbH

Bleche aus Stahl, Aluminium, Edelstahl, Kupfer und Messing in Form bringen – das ist das Spezialgebiet der Fritz Puls Maschinen- & Apparatebau GmbH. Die Geschichte des Familienbetriebs reicht mehr als 80 Jahre zurück.

Wenn Sven Puls morgens durch die Hallen und Büroräume seines Betriebs streift, dann hört er nicht nur Laserschneidgeräte, Metallpressen und Zerspanungsmaschinen rattern, kreischen und zischen, es ist jedes Mal auch ein kleines Familientreffen: Geschwister und Tante sind bereits da und im Büro sitzt sein Vater Holger, um über die anstehenden Aufgaben des Tages zu sprechen.

Ein Familienbetrieb durch und durch, der gerade den Wandel von der dritten in die vierte Generation durchmacht. Denn spätestens als Sven Puls 2019 nach sechs Jahren in der Firma mit in die Geschäftsführung einstieg, stand für den Traditionsbetrieb fest: Auch in der vierten Generation wird ein „Puls“ den Familienbetrieb weiterführen. „Ich teile mir mit meinem Vater die Geschäftsführung. Wir ergänzen uns wunderbar, es gibt so gut wie nie Zoff. Ich kann mir heute nichts anderes mehr vorstellen“, sagt der 31-jährige Unternehmerspross.

Mit neuer Maschine für die Zukunft aufgestellt

Auf 2.500 Quadratmetern dreht sich hier alles ums Metall: Erst zerteilen die Metallbauerinnen und Metallbauer große Bleche per Laser oder Wasserstrahler, dann kanten sie sie in die gewünschte Form ab, bohren, walzen, schweißen oder zerspanen sie. Je nachdem, was die Kundin oder der Kunde wünscht. Die kommen meistens aus dem Maschinenbau, der Fahrzeug- und Schiffbauindustrie. „Wir sind sehr flexibel, können Unikate fertigen, aber auch Serien bis zu 10.000 Stück“, so der gelernte Kaufmann für Stahlhandel. Das verdanke er einerseits seinem 30-köpfigen Team, aber auch dem großen Maschinenpark, der über die Jahre immer weitergewachsen ist.

Das neueste Prunkstück in der Sammlung ist dabei eine hochmoderne Abkantpresse, die erst vor wenigen Tagen aus der Schweiz nach Bremen kam. „Das ist schon das Nonplusultra im Kantbereich, darauf sind wir sehr stolz“, freut sich Sven Puls über die Maschine. Abkantpressen werden eingesetzt, um Bleche gezielt in gewünschte Formen zu bringen, sie können mit mehreren Hundert Tonnen Anpressdruck auf Metalle einwirken und sie wie Butter verformen.

Die neue computergesteuerte Abkantmaschine
Die neue computergesteuerte Abkantmaschine © Fritz Puls GmbH

Intelligentes Gerät geht den Arbeitenden zur Hand

Das Besondere an der Maschine ist aber nicht ihre Größe: Alle Kantvorgänge werden durch den Computer gesteuert und basieren auf vorher erstellten 3D-Modellen. Ein Display zeigt den Bedienenden an, wie sie das Metall in die Presse halten müssen. Das beschleunigt den gesamten Prozess und minimiert Fehler. Auch im Schlosserei- und Metallbau geht heute ohne den Computer nichts mehr.

Die Konstruktion und die Verarbeitung von 3D-Modellen ist das Revier von Vanessa Puls, der Schwester vom Geschäftsführer-Junior. „Sie hatte Spaß an dem Thema und eine Ausbildung zur Produktdesignerin gemacht. Heutige Bauteile für die Automobilindustrie können sehr komplex werden, ohne Computersteuerung geht da nix mehr. Wir können die Modelle verarbeiten, die wir vom Auftraggeber erhalten, aber auch selbst neue Bauteile digital konstruieren“, so Sven Puls. Es ist bereits die zweite Maschine vom Schweizer Hersteller Bystronic – und sie ist mit anderen Geräten im Haus kompatibel, was weitere Kosten und Zeit spart.

Enge Zusammenarbeit mit der BAB

Möglich wurde die Investition durch die BAB – Die Förderbank. Über das Landesinvestitionsförderprogramm LIP unterstützte sie den Betrieb. Das LIP hilft Unternehmerinnen und Unternehmern dabei, betriebswirtschaftliches Risiko aufzufangen und neue Investitionen anzustoßen und bietet dabei äußerst attraktive Konditionen. „Wir haben früher schon mit der BAB zusammengearbeitet und freuen uns, dass es auch dieses Mal wieder geklappt hat. Das Förderprogramm nimmt uns finanzielle Last von den Schultern. Die Betreuung läuft immer super“, erklärt Sven Puls.

Mitten im Gewerbepark Hansalinie liegt die Firmenzentrale
Mitten im Gewerbepark Hansalinie liegt die Firmenzentrale © WFB/Ring

Hansalinie idealer Standort in Bremen

Während die Coronakrise glimpflich am Familienbetrieb vorüberging, spürt der Betrieb die derzeitige Kombination aus Lieferkettenengpässen und explodierenden Materialpreisen deutlich. „Der Preis von Blech hat sich verdreifacht und wir müssen jetzt weitaus länger vorplanen, um uns Nachschub zu sichern. Wir haben ein großes Materiallager, was uns eine gewisse Flexibilität erlaubt. Und unsere Kundinnen und Kunden haben Verständnis für die Preisentwicklung“, so Puls.

Den Betrieb sieht Sven Puls somit trotz aller Unwägbarkeiten bestens gewappnet für die Zukunft – auch dank des Standorts im Gewerbepark Hansalinie, dem vierten Standort in der Firmengeschichte. „Wir sind immer weitergewachsen. Unser jetziger Standort in Bremen ist ideal für uns. Wir sitzen direkt an der Autobahn, Materialien können schnell angeliefert und abtransportiert werden, viele unserer Kundinnen und Kunden befinden sich in unmittelbarer Nähe. Besser hätten wir es in Bremen nicht treffen können.“

Erfolgsgeschichten


Gründen
23.05.2022
Nachhaltige Proteine aus Insekten

Der Fleischkonsum in der Weltbevölkerung wächst jedes Jahr. Das Fleisch stammt zu großen Teilen aus der industriellen Massentierhaltung. Dem gegenüber nimmt allerdings die Nachfrage nach Fleischalternativen seit 2008 stetig zu. Das Bremer Startup EntoSus beschäftigt sich mit einem speziellen Ersatzprodukt: Grillen. In einem Interview erklärt Gründer Florian Berendt die Idee, den Hintergrund und zeigt, dass auch Insekten sehr schmackhaft sein können.

Zur Bio-Insektenfarm
Wirtschaftsförderung
11.05.2022
Wie der Mittelstand den Sprung in die Industrie 4.0 schafft

Industrie 4.0 – ein Schlagwort, das jede Unternehmerin und jeder Unternehmer kennt. Aber gerade dem Mittelstand fällt es oft schwer, sie in die Praxis umzusetzen. Am Beispiel einer Kleinwindkraftanlage veranschaulicht ein Bremer Forschungsprojekt den Weg des Mittelstands in die digitale Zukunft.

Zum Projekt
Wirtschaftsförderung
08.04.2022
Natürlich – und auf die leichte Art

Mit dem Bau einer Segelyacht aus nachwachsenden Rohstoffen hat Greenboats vor einigen Jahren für Aufsehen gesorgt. Inzwischen baut die Bremer Werft Greenboats nicht nur Boote, sondern auch Gondeln für Windenergieanlagen oder Camper-Aufbauten.

Mehr erfahren