14.11.2018 - Jann Raveling

Die Fortschrittmacher - Finanzierung von Digitalisierung: Qual ohne Wahl?

Wirtschaftsförderung
Andrea Schlüterbusch und Michael Thomas
Andrea Schlüterbusch und Michael Thomas von der BAB © BAB / Jann Raveling

Der Druck zur Digitalisierung wächst – auch bei kleinen und mittleren Unternehmen. Zwei der häufigsten Ursachen für Digitalisierungsvorhaben im Mittelstand sind Kundenwünsche nach digitalen Services und Konkurrenten, die ihrerseits digital aufrüsten, ermittelte die KfW-Bank in ihrer „Unternehmensbefragung 2018“ im September 2018.

Schon lange stellt sich nicht mehr die Frage, ob Digitalisierung für das eigene Unternehmen sinnvoll ist, sondern wie sie möglich wird. Die Investitionen in neue IT, in neue Produkte, Services und die Anstellung von Fachkräften kostet jedoch. Je kleiner das Unternehmen desto größer die Finanzierungssorgen – immerhin ein Fünftel der von der KfW befragten kleinen Unternehmen stufen den Zugang zu Krediten als „schwierig“ oder „sehr schwierig“ ein.

Fortschritt machen – in Bremen gemeinsam der Zukunft entgegentreten

In Bremen ist das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum die erste Adresse zu allen Fragen rund um die Digitalisierung. Wenn es um Finanzierungsfragen geht, arbeiten die Digitalexpertinnen und -experten dort eng mit der BAB – Die Förderbank für Bremen und Bremerhaven zusammen, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

Zwei, die sich besonders mit den finanziellen Fragen und Anliegen der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Bremen auskennen, sind Andrea Schlüterbusch, Beraterin im Firmenkundengeschäft der BAB und Michael Thomas, Innovationsmanager der BAB. Sie erklären in unserem Interview, warum die Finanzierung von Digitalisierungsvorhaben eine so große Herausforderung für kleine Unternehmen ist – und wie sie dennoch gelingt.

Eine Beratungssituation mit Andrea Schlüterbusch und Michael Thomas
Individuell beraten: Die BAB hilft bei der Digitalisierung © BAB / Jann Raveling

Frau Schlüterbusch, warum tun sich kleine Unternehmen schwer damit, Digitalprojekte zu finanzieren?

Schlüterbusch: Das hat mehrere Ursachen. Die eine ist handfest: Bei einer Kreditvergabe wünscht sich die Hausbank eine Sicherheit – was bei Investitionen in Maschinen oder Gebäude einfach ist, denn der Finanzierungsgegenstand fungiert gleichzeitig als Sicherheit. Bei einer Investition in Software gibt es aber keine physischen Güter, die als Sicherheit dienen könnten. Das ist manchen Banken zu riskant und senkt die Wahrscheinlichkeit einer Kreditvergabe.

Zum anderen gibt es oft eher emotionale Vorbehalte. Am Anfang eines Digitalisierungsprozesses entstehen Kosten, die für die Unternehmerinnen und Unternehmer nicht greifbar sind – etwa für Berater, Schulungen oder Workshops, die den Digitalisierungsbedarf erforschen. Dafür Geld auszugeben, ohne dass das Ergebnis absehbar ist, fällt vielen Unternehmern schwer.

Thomas: Handwerker oder kleine Industriebetriebe haben oft kaum Berührungspunkte mit strategischen Prozessen, wie sie mit Digitalisierungsvorhaben einhergehen. Das schreckt sie zunächst ab. Zudem haben manche Unternehmer Bedenken gegenüber Beratern, da sie befürchten, mit Standardlösungen abgespeist zu werden, die ihre individuellen Ansprüche nicht berücksichtigen. Sie fühlen sich mit ihren Anliegen allein gelassen.

Wie holt man sie ab?


Schlüterbusch: Durch gute Beratung: Neutral, unabhängig, kostenlos. Genau aus diesem Grund arbeiten wir mit dem Mittelstand 4.0-Zentrum zusammen. Wir hören zu. Und begleiten auf dem ganzen Weg. Wir haben ein Netzwerk in Bremen etabliert, das Experten aus allen Bereichen umfasst und für alle Branchen da ist.

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum ist die erste Anlaufstelle für Unternehmen in Bremen, die sich mit der Digitalisierung beschäftigen wollen.

Thomas: Sollte sich im Prozess herausstellen, dass ein gemeinsames Projekt mit einem Berater sinnvoll ist, empfehlen wir unseren Beraterpool. Dort finden sich spezialisierte Digitalisierungsexperten aus der Region. Die kennen einen Großteil der Unternehmen hier. Ein solches Beratungsprojekt fördern wir mit bis zu 50 Prozent der Kosten und maximal 5.000 Euro.

Andrea Schlüterbusch und Michael Thomas arbeiten an der Flipchart
Für jeden Schritt in der Digitalisierung das passende Unterstützungsangebot © BAB / Jann Raveling

Wenn Unternehmen informiert und unterstützt wurden und zu Ihnen für eine Finanzierung kommen – welche Instrumente empfehlen sie dann?

Schlüterbusch: Wir haben für jeden Ansatz eine Lösung. Zunächst steht auch bei uns eine kostenlose Beratung an – das muss nicht zu einem unserer Finanzinstrumente sein, wir beraten unabhängig und ohne die Absicht, ein Geschäft abzuschließen. Wir arbeiten mit den Geschäftsbanken zusammen. Sollte es aber passen, empfehlen wir gern unsere Instrumente. Auch in Handwerk und kleinen Industrieunternehmen steigt der Digitalisierungsdruck.

Thomas: Sollte das Digitalprojekt größer werden und ein Innovationspotenzial haben, bietet sich ein Forschungs- und Entwicklungs-Projekt an, das dieses Vorhaben mit günstigen Darlehen und Zuschüssen unterstützen kann. Wir begleiten Unternehmen dabei bei jedem Schritt und helfen auch bei der Suche nach Kooperationspartnern – zum Beispiel in der Bremer Wissenschaft.

Schlüterbusch: Man kann sagen, wir verkaufen keine Digitalisierung – wir fördern sie. Wir bieten natürlich auch Zugang zu weiteren Förderprogrammen der BAB und überregionalen Finanzierungsträgern wie der KFW-Bank, wenn es zum Beispiel um Investitionen in IT-Hardware oder -Software gehen soll, beispielsweise ein neues ERP-System.

Was wäre der erste Schritt, den ein Unternehmen jetzt angehen sollte?

Schlüterbusch: Im Dschungel der verschiedenen Angebote ist es gar nicht so einfach, sich zu Recht zu finden. Unternehmer und Unternehmerinnen sollten deshalb direkt auf uns zukommen und sich unverbindlich beraten lassen. Wir helfen direkt oder vermitteln weiter.

Frau Schlüterbusch, Herr Thomas vielen Dank!

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