21.06.18 - Jann Raveling

„Ich würde gerne einen Pixel auf den Mond projizieren!“





	Magisch: Ein Gasometer, von Urbanscreen illuminiert
Magisch: Ein Gasometer, von Urbanscreen illuminiert
Urbanscreen

Dem Gehirn einen Streich spielen: Darin sind Urbanscreen wahre Meister. Wenn ihre Projektoren flache Böden und plane Wände in klaffende Abgründe oder wabernde Würfelfelder verwandeln, kommt das Gehirn kaum mit. Sehen und staunen – mehr bleibt einem da meist nicht. Majo Ussat ist einer der Köpfe des Projektionsunternehmens. Der 45-jährige Bremer hat seine ganz eigene Sicht auf das, was er und sein achtköpfiges Team machen: „Ein poetischer Beitrag zwischen Realität und Virtualität. Wir sind Pioniere auf dem Gebiet und stolz auf das, was wir geleistet haben.“ 2008 begann das Abenteuer, heute schaut die ganze Welt auf die Bremer Künstler. Majo Ussat und sein Geschäftskollege Till Botterweck leiten gemeinsam die erfolgreiche Bremer Kreativschmiede. Bis zu ein Dutzend Produktionen schaffen sie im Jahr.

2012 bespielten sie etwa die Sydney Opera. Das unverwechselbare Dach des Opernhauses wurde zur riesigen Leinwand, die im Wind wogte:


Projektionskünstler nennen sie sich, „Projection Mapping“ heißt ihre Kunst. Mit leistungsstarken Videoprojektoren beleuchten sie weltweit Gebäude, Türme, Speicher. Die Fassaden werden zur Leinwand von spektakulären Szenen. Und sind dabei immer Teil des Kunstwerks: Fenster, Säulen, Erker, jedes Detail wird einbezogen, mal besonders herausgestellt, mal bewusst verdunkelt.


	Das Urbanscreen-Team mit Majo Ussat (Mitte) und Til Bottterweck (da drüber)
Das Urbanscreen-Team mit Majo Ussat (Mitte) und Til Bottterweck (da drüber)
Urbanscreen

Ussats aktuelles Lieblingsprojekt führte das Team nach Málaga. Dort illuminierten sie für den Baumaschinenkonzern Caterpillar eine riesige Sandkiste auf dem firmeneigenen Testgelände. Diese nutzten sie als immersive Leinwand, um eine neue Generation von Baggern vorzustellen:


Unikate am laufenden Band

„Jedes Projekt ist einzigartig“, sagt Ussat. „Hier war die technische Realisierung vor Ort eine besondere Herausforderung. Wir haben nicht nur das Gelände bespielt, mehrere Bagger wurden in die Projektion miteinbezogen. Deren Bewegungen mussten auf die Sekunde genau stimmen!“

Liebe zum Detail ist eine wesentliche Voraussetzung, um Teil des Urbanscreen-Teams zu werden. So bauen die Bremer häufig Miniaturmodelle der Fassaden. Tischgroß, aber so detailgetreu wie möglich, somit können sie an ihnen mit handelsüblichen Beamern ihre Lichtshows planen und austesten. Monatelang recherchieren sie Materialien und stellen diese zu „Geschichten aus Licht“ zusammen.

Wie etwa für die William Marsh Rice University in Houston, Texas. Zum 100-jährigen Jubiläum wurden 240 Meter Fassade im Innenhof des Gründungsgebäudes zur gigantischen Leinwand, die durch die Geschichte der Universität führte:


Zwischen einem und sechs Monate dauert die Produktion, bis zu 30 Hochleistungsprojektoren kommen gleichzeitig zum Einsatz. „In dieser Zeit sind wir mehrmals vor Ort, um Gespräche zu führen, die Location anzuschauen und erste Lichtproben durchzuführen“, so Ussat. Ständig ist er unterwegs – mal USA, mal Spanien oder auch im Libanon oder im kurdischen Irak war er schon aktiv.

Neben seiner Rolle als Geschäftsführer nimmt er als Production Manager an vielen Projekten direkt teil. Er vermittelt zwischen Auftraggebern, Künstlern, Sounddesignern, Technikern und Autoren. Und jongliert dabei zwischen künstlerischem Anspruch, Zahlen und Kundenwünschen.

Projection Mapping ist Teamarbeit

Neben dem Kernteam arbeitet Urbanscreen mit externen Künstlerinnen und Künstlern zusammen. „Die Idee steht bei uns immer im Vordergrund. Die Technik ermöglicht es uns, Ideen umzusetzen. Ohne unserem Spieltrieb und der Offenheit auch das am Anfang vielleicht ungewöhnlichste Projekt anzugehen, wären wir nie Vorreiter geworden“, ist Ussat überzeugt.

Vielen Besuchern bleiben die Urbanscreen-Projekte lange im Kopf – eine der eindrucksvollsten Produktionen, „320° Licht“, entstand in einem leeren Gasspeicher, dem Gasometer in Oberhausen:


Groß anfangen, klein weitermachen

Manchmal darf es auch eine Nummer kleiner sein: Neben großen Gebäuden entwickeln die Bremer auch Projektionen für Messestände. „Wir haben unser Unternehmen auf drei Standbeinen aufgebaut: Einmal Kunstproduktionen, etwa für Festivals. Dann die Brand Experience, wo wir für die Industrie oder Agenturen arbeiten. Und Mediainstallationen, wo wir mit unterschiedlichtsten Medien, Festinstallationen entwickeln und umsetzen.“

Längst ist es kein Problem mehr, LED-Streifen in Häuserfassaden zu integrieren. Ob auf Beton oder im Fenster zwischen den Glasschichten. Aus statischen Glas-und-Beton-Klötzen werden damit lebende Gebilde, wie etwa im Klubhaus St. Pauli:


Der Bereich Mediainstallation ist für Urbanscreen noch Neuland, wenngleich sie es definitiv solide beherrschen. „Wir sind Pioniere – und suchen immer nach den Grenzen des technisch Möglichen“, so Ussat. „Aktuell beschäftigen wir uns mit „Augmented Sculptures“. Darunter verstehen wir Installationen oder Kunstwerke, die erst mit Projektionen zum Leben erweckt werden.“

Auf Bremer Hilfe zurückgegriffen

Restaurants, Hotels oder Firmen könnten sich diese als Hingucker in ihre Foyers stellen. Bei der Entwicklung der Geschäftsidee griffen sie auf Unterstützung der Förderbank für Bremen und Bremerhaven, BAB, zurück. Sie beantragten Forschungs- und Entwicklungsförderung (FEI) für ein zweijähriges Projekt, in dem sie jetzt das Geschäftsfeld entwickeln.

„Wir haben im Vorfeld intensiv recherchiert und sind überzeugt, dass ein großer Markt auf uns wartet“, so Ussat. „Aus dem normalen Geschäftsbetrieb heraus hätten wir das Projekt nicht stemmen können. Wir sind froh, dass es hierfür die FEI-Förderung gibt.“

Für innovative Vorhaben gedacht, unterstützt das FEI-Programm mittelständische Unternehmen darin, Entwicklungsrisiken zu mindern und Prototypen bis zur Marktreife zu bringen. Für Silke Muhle, Abteilung Firmen- und Geschäftskunden der BAB, ist Urbanscreen ein herausragendes Beispiel Bremer Innovationskraft. „Wir freuen uns, ein Unternehmen aus der Kreativwirtschaft mit weltweiter Strahlkraft unterstützen zu können. Ussat und sein Team haben sich klasse entwickelt und sind tolle Botschafter für Bremen!“

Gute Gründe davon auszugehen, dass auch in Zukunft Urbanscreen-Installationen weltweit zu sehen sein werden. Im Kleinen und im Großen. Wie in Köln und Düsseldorf, wo sie zwei Fernsehtürme 2017 zu dem wohl weltweit größten interaktiven Hau-den-Lukas-Spiel zwischen zwei Städten umbauten:


 Und Ussat, hat er noch Träume? Gibt es Orte, die er unbedingt einmal illuminieren will? „Das Guggenheim Museum in New York“, sagt er, denkt dann aber noch etwas nach. „Oder den Mond. Der erste sein, der ein Pixel auf den Mond zu projiziert, das wär’s! – Leider jedoch physikalisch nicht so einfach möglich...“, fügt er lachend hinzu. Gut, dass er in Bremen sitzt – mit Raumfahrt kennt man sich hier ja aus.




Mehr zur FEI-Förderung in Bremen erfahren Sie bei Dieter Taddigs, Tel. 0421 9600 347 und Dr.-Ing. Norbert Möllerbernd, Tel. 0421 9600 345, Innovationsmanager bei der BAB.

Inwieweit wir Sie als Förderbank darüber hinaus mit Krediten, Beteiligungen und Bürgschaften bei der Umsetzung Ihrer Vorhaben unterstützen können, erfahren Sie bei Silke Muhle, Kundenbetreuerin Firmen- und Geschäftskunden BAB, Tel. 0421 9600-478, silke.muhle@bab-bremen.de.

Ihr Kontakt zu unseren Finanzexperten:


Sie wünschen eine Kontaktaufnahme durch uns?
Die personenbezogenen Daten werden auf der Basis der geltenden Datenschutzgesetze, insbesondere der EU Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sowie dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), zweckgebunden für die Kontaktaufnahme erhoben und verarbeitet. Wir geben Ihre Daten nur weiter, soweit ein Gesetz dies vorschreibt oder wir Ihre Einwilligung eingeholt haben. Die personenbezogenen Daten sind für die Kontaktaufnahme erforderlich. Unsere Informationen zum Datenschutz nach Art. 13 und Art. 14 der EU Datenschutzgrundverordnung können Sie auf unserer Internet-Seite unter https://www.bab-bremen.de/bab/datenschutz.html einsehen oder unter der Telefonnummer 0421 96 00-415 beziehungsweise über mail@bab-bremen.de anfordern.